Über die drei Tage auf dem Wasser habe ich mir im Vorfeld beinah die meisten Gedanken gemacht. Ich hatte ausgerechnet, dass ich insgesamt 68 Stunden auf dem Schiff verbringen würde. Mit viel Mühe würde ich 30 Stunden schlafen können, aber wie fülle ich die übrigen 38? In 38 Stunden kann ich 5-6 Bücher lesen. Dann würden mir allerdings nur noch 4 für die 3 Wochen in Island und die Rückfahrt übrig bleiben. Schlechter Plan also. Im Vorfeld habe ich mir sagen lassen, dass so ein Schiff viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib bietet und soweit ist das auch richtig. Hier gibt es ein Schwimmbad, ein Fitness-Studio, einen Fußballplatz (!), ein Kino und allerlei Läden und Restaurants. Außerdem bietet die Smyrline W-LAN und Telefonzellen. Das ist alles richtig toll - wenn man es sich leisten kann. Mit einem prall gefüllten Geldbeutel ist eine dreitägige Überfahrt auf einem solchen Schiff sicher ein Riesenspaß. Rund um die Uhr wird man mit leckeren Speisen, Getränken und Unterhaltungsangeboten überschüttet. Wenn einem dann noch langweilig ist kann man ja für 25 Euro eine Stunde surfen, was soll´s. Abends kuschelt man sich dann in seine Kabine, klasse, dort hat bereits jemand die Handtücher gewechselt und der Fernseher wartet schon darauf in Betrieb genommen zu werden. Die Smyrline nutzt ihr Monopol voll und ganz auf, und während ich lustlos auf dem laschen Tagesgericht herumkaue frage ich mich, warum das überhaupt erlaubt ist und welchen Beruf die 479420934094 Rentner, die genüsslich ihre isländischen Spezialitäten á la carte schlemmen wohl mal ausgeübt haben. Den hätte ich dann nämlich auch gern. Achja, ganz vergessen, eine Rente bekommt meine Generation ja sowieso nicht, naja, dann lohnt es sich vielleicht doch nicht.
Glücklicherweise gibt es aber noch viele andere, die wie ich ganz unten im Schiff schlafen. Ganz unten bedeutet unter dem Parkdeck und mit einem großen Sicherheitsabstand zu dem ganzen Luxus. Zwischen Maschinenraum und Boardküche (die dem Geruch nach zu urteilen rund um die Uhr Fisch verarbeitet) befinden sich die Liegeplätze. Falls jemand daran zweifeln sollte dass 9 Personen in einem 10m2 kleinen Raum Platz finden, so kann ich nun aus Erfahrung gegenteiliges berichten. Das passt sogar ganz wunderbar, wenn man darauf verzichten kann sich zu bewegen. Ganz im ernst, in Jugendherbergen ist es oft auch nicht anders, und es ergibt sich dadurch häufig die Möglichkeit nette Leute kennenzulernen. Nun stelle man sich aber den gewaltigen organisatorischen Mehraufwand vor, den es verursachen würde, die Passagieren nach Geschlecht oder gar Alter auf die Liegeplätze zu verteilen. So teile ich meine Kabine hauptsächlich mit wesentlich älteren Männern. Einer von ihnen ist augenscheinlich nichtmal in der Lage zu sprechen und gibt nur undefinierbare Grunzlaute von sich - zwei andere wollen einfach ihre Ruhe haben und den Rest hab ich noch nicht kennengelernt... mal gucken was da noch kommt ;-)


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen