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Samstag, 20. September 2014

In der Elfenschule

Jeden Tag tauche ich ein bisschen tiefer ein, in die Elfenwelt Islands. Heute habe ich Magnus Skarphedinsson kennengelernt. Er ist seit 30 Jahren Elfenforscher und sammelt seit dem Augenzeugenberichte von Isländern und Menschen aus aller Welt, die Begegnungen mit dem verborgenen Volk erlebt haben. Dieses Wissen vermittelt er einmal in der Woche neugierigen Schülern in der Elfenschule, und heute habe auch ich drücken dürfen. Bewaffnet mit Notizheft, Stift und allerlei Fragen betrete ich den Klassenraum. Natürlich bin ich die erste, da ich Angst hatte den Weg nicht zu finden und ihn erfreulicher Weise direkt gefunden habe. So habe ich allerdings ein bisschen Zeit in der Schule herumzuschnüffeln, die aussieht wie eine Messiwohnung mit Elfenkirsch. Nach und nach treffen die anderen Schüler ein: 2 ältere Damen aus dem französischsprachigen Teil Kanadas, eine Britin, eine Finnin, ein Ehepaar mit Kind, ein älterer Mann und zwei junge Frauen aus den USA, sowie ein junges neuseeländisches Hippiepaar, dass uns frühzeitig verlassen hat und sich eifrig skeptische Blicke zugeworfen hat. Ihnen war es wohl zu abgedreht, was ich ihnen nicht verübeln kann. Magnus ist ein ziemlich voluminöser Mann ende 50 der uns sehr ernst viele Geschichten erzählt. Von Elfen die den Menschen geholfen haben. von Menschen die Elfen geheiratet haben und für immer verschwunden sind, von Weihnachtselfen, Hauselfen und dem verborgenen Volk. Zwischendurch legt er dramatische Pausen ein, aber ich vermute dass ist eher auf seine Kurzatmigkeit zurückzuführen. Während er selbst nie etwas Übernatürliches gesehen oder gespürt hat, so glaubt er doch fest an dessen Existenz. Auf Tonband nimmt er die Interviews mit Augenzeugen auf, und er sucht sie häufig Jahre später erneut auf, um ihnen abermals die gleichen Fragen zu stellen. Er vergleicht die Details und zieht daraus seine Schlüsse. Die Geschichten sind wahr, und während ich sie höre verlässt auch mich die Skepsis. Wie diese Menschen von ihren Erlebnissen berichten macht es mir unmöglich, daran zu zweifeln. Vielleicht sind sie verrückt (aber dann müsste man davon ausgehen, dass es unverhältnismäßig viele verrückte Isländer gibt), doch dann hat dieser Wahnsinn jede Menge Gutes bewirkt. Ich füge im Anhang noch eine kleine Geschichte als Beispiel hinzu.
Während Magnus weiter aus dem Nähkästchen plaudert verlassen uns langsam die ersten Schüler und am Ende bleiben noch vier Vertreterinnen der Hermine-Spezies über. Unser Wissensdurst ist unstillbar, und das merkt Magnus, weshalb er dieses Fass mit offenem Boden verlässt und sich seinem zweiten Lieblingsthema zuwendet: Penisse. So habe ich heute eine weitere Lektion über die Isländer gelernt: Smalltalk ist ihnen ein Fremdwort. Sie kommen direkt zur Sache. In Reykjavik gibt es ein Penismuseum und ich glaube das war der Auslöser dafür, dass ich heute mir 3 jungen Frauen aus aller Welt und einem schwulen Isländer eine halbe Stunde lang über Penisse gesprochen habe. Ziemlich bizarr und manches habe ich auch bereits verdrängt. Gegen Ende schlug er vor seinen eigenen auf den Tisch zu legen, er befürchtete aber die gegenübersitzende Amerikanerin dabei zu verletzen. Das war der Moment als wir gegangen sind, während er noch feststellte „If I wouldn´t be gay, you wouldn´t have tolereted my behavior.“, was vermutlich der Wahrheit entspricht.





Auf der Tonbandaufnahmen hört man einen alten Mann, der nicht versucht sich ins Rampenlicht zu stellen. Magnus muss ihm die Geschichte förmlich aus der Nase ziehen, denn Elfen zu sehen ist selbst in Island nicht mehr modern:

1920, Vik, eine isländische Hafenstadt. Wie viele isländische Dörfer zu dieser Zeit lebten wir hier von der Fischerei. Jeden Tag um 4:00 Uhr ziehen wir mit unserem Boot aufs Meer und versuchen unser Glück. Jeden morgen sehe ich, wie die Elfen um die gleiche Zeit mir ihrem Boot ablegen. Ich winkt ihnen zu und sie winken zurück und manchmal Wechsel ich auch ein paar Worte mit ihnen, wenn sich die beiden Boote näher kommen. Eines Tages blieben die Elfen aus und ich benachrichtige meine Kameraden. Es ist allseits bekannt, dass die Elfen ein Gespür für viele Dinge haben, die für uns Menschen verborgen sind. Aus diesem Grund beschlossen wir an diesem Tag selbst auch zuhause zu bleiben um kein Risiko einzugehen. Unser Arbeitgeber wollte davon jedoch nichts wissen, da er den Fang bereits einem dänischen Kaufmann versprochen hatte. Das Boot musste also in See stechen. Wir jedoch beschlossen, nahe beim Ufer zu bleiben. So umrundeten wir die Landzunge, bis wir außer Sichtweite waren und gingen an Land. Nach einigen Stunden kam ein großes Unwetter auf, das 2 Tage lang anhielt und viele Leben forderte. Wir aber überlebten und machten uns auf den Heimweg. Die Dörfler waren überzeugt, Gespenster zu sehen als wir zurückkamen, denn auf offener See wäre es unmöglich gewesen, diesen Sturm zu überleben. Unseren Arbeitgeber plagte ein schlechtes Gewissen, da er um ein Haar seine eigenen Männer ums Leben gebracht hätte. Nun einigte man sich darauf, mich  jeden morgen zu befragen. Sollten die Elfen zuhause bleiben, so würden wir es auch tun. Seit diesem Tag gab es in Vík keinen einzigen Todesfall auf offener See. Angesichts der Tatsache, dass dieses Dorf von der Fischerei lebte und der Tod auf offener See seinerzeit der häufigste in Island war, grenzt das wirklich an ein Wunder.

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