Vor Freude könnte ich Radschläge machen, in die Luft springen und Purzelbäume machen. Endlich lasse ich Reykjavik hinter mir! Klar ist das eine interessante Stadt, aber die Natur und Einsamkeit sind doch um einiges reizvoller. Heute und gestern hatte ich noch zwei Begegnungen mit Elfensehern, die mich in der Stadt festgehalten haben. Die Gespräche waren reichlich abgedreht und vielleicht freut es mich auch aus diesem Grund so sehr, dass ich dieses Kapitel (vorerst) abschließen kann. Die beiden sind nämlich nicht nur in der Lage Elfen zu sehen und mit ihnen zu sprechen, sie sprechen auch mit Toten. Und zwar ständig. Als ich bei Thorunn eingetreten bin wurde nicht nur ich, sondern auch meine Urgroßmutter (mütterlicherseits) herzlich begrüßt. Da ich meine Urgroßmutter nicht kennengelernt habe kann ich weder beurteilen ob die Beschreibung auf sie zutrifft, noch weiß ich warum sie mit mir durch Island läuft. Anschließend wurde ich dem Hauselfen Olli vorgestellt, der sich laut Thorunn sehr für mich zu interessieren schien. Was immer das heißen mag. Gelobt wurde ich, als ich etwas aus dem Augenwinkel sah und hingeschaut habe „Oh toll, du hast es auch gesehen!“ - es war der Qualm ihrer Kerze. Harmundur, den ich gestern besucht habe verdient ziemlich viel Geld, indem er Leuten ihre Zukunft voraussagt. Offenbar bin ich die einzige, die jemals seine Wohnung betreten ohne erpicht darauf zu sein zu wissen, wie viele Kinder ich mal bekommen werde. Das hat ihn wiederum so sehr fasziniert, dass er es mir trotzdem gesagt hat. Kostenlos. Es sind vier. Meine verzweifelten Versuche das Thema wieder auf die Elfen zurück zu lenken scheiterten erbärmlich und nachdem ich den Fehler begangen hatte ihm mein Geburtsdatum zu verraten gab es kein Entkommen mehr. Er hat mir viele Dinge über mich selbst erzählt, die ich bereits wusste (an dieser Stelle frage ich mich, wieso es Leute gibt die dafür Geld bezahlen zu Dinge über ihren Charakter zu erfahren, die sie selbst am besten wissen müssten und woher er diese Dinge weiß…) Trotzdem ist es ziemlich spannend und ich bin auch ein bisschen gefesselt, denn dass er so viel über mich weiß fasziniert mich doch. Er bietet mir sogar einen Schlafplatz an, aber da er wirklich sehr viel redet und vor allem über mich, beschließe ich, dass es mir zu anstrengend ist die ganze Nacht etwas über meine Zukunft zu erfahren. Sollte es wahr sein, würde es schon früh genug passieren und ich würde es dann schon mitbekommen und wenn es reine Hirngespinste eines verrückten Mannes sind, wäre es reine Zeitverschwendung. Zehn Minuten später wechselt er aus heiterem Himmel das Thema und spricht über Moslems und zwar ziemlich rassistisch. Das Menschen sich rassistisch äußern erkennt man nämlich sehr leicht an dem Satzanfang „Ich bin nicht rassistisch, aber…“, den er gefühlte hundertmal verwendet hat. Plötzlich bin ich heilfroh, dass ich den Schlafplatz abgelehnt habe, denn mir wird klar, dass er nicht nur hellsichtig sondern auch ein Verschwörungstheoretiker ist. Bevor ich mich verabschiede schafft er es allerdings noch seine Sichtweise über die Rolle der Frau in der Gesellschaft loszuwerden. Gott sei dank, ich weiß jetzt an welcher Tür ich nie wieder klingeln werde!


Also Leute triiffst Du, das ist doch wirklich spannend. Schöne Fotos übrigens.
AntwortenLöschen