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Mittwoch, 10. September 2014

Ein Nachmittag bei Jóna

Meine Recherchen um die Elfenburg führten mich auf direktem Wege zurück nach Egilstadir. Dort wohnt nämlich Jóna, die der Elfenburg regelmäßig Besuche abstattet und dem Dorf drumherum mitteilt, was es bei den Elfen so Neues gibt. Mit dem Post-it, auf dem die freundliche Frau aus Borgafjödur  Name, Adresse und Uhrzeit unseres Treffens notiert hat, stehe ich vor einem Mehrfamilienhaus. Es ist das einzige in der ganzen Stadt, und ich frage mich warum die Isländer, denen es ja an Platz nicht mangelt, überhaupt in die Höhe bauen. Die Residenz einer echten Elfenseherin hatte ich mir jedenfalls anders vorgestellt. Im siebten und letzten Stock angekommen atme ich nochmal kurz durch und drücke dann auf die Klingel. Aus der Wohnung dringen hektische Geräusche, es rummst, jemand flucht und die Tür geht auf. Vor mir steht Jona höchstpersönlich und bittet mich herein. Dann passieren mehrere Dinge gleichzeitig: Das Wasser in ihrer Spüle läuft über, sie verfängt sich im Staubsauger, fällt hin, zwingt dabei den Wäscheständer in die Knie. In gebrochenem Englisch erklärt sie mir, dass sie gerade erst aus ihrem Sommerhaus zurückgekommen ist und noch keine Zeit hatte aufzuräumen. Mehrmals. Nach ca. zehn Minuten hat sie sich dann ein bisschen beruhigt und hört auf hektisch hin und her zu rennen und Gegenstände von A nach B zu räumen. Sie setzt sich zu mir und plaudert ein wenig über die Elfen, jedes zweite Wort ist jedoch isländisch, und ich verstehe wenig bis gar nichts. Das merkt sie auch, und sie springt wieder auf und rennt zum Telefon, wahllos tippt sie Nummern ein, doch niemand geht ran. Verdammt, irgendjemand muss doch Zeit haben, ihr beim Übersetzen zu helfen. Was immer auf dem Herd köchelt - es kocht über. Zehn Minuten und viele isländich-englische Sätze später dann die Erlösung: Die Elfen eilen ihr mal wieder zur Hilfe und helfen mit englischen Vokabeln aus. Auf einmal verstehen wir uns.
Was dann folgt ist
verrückt, unglaublich und spannend. Sehr authentisch beschreibt sie ihre Begegnungen mit den Elfen, und ich darf sogar zuschauen, wie sie mit ihnen spricht. So ganz verarbeitet hab ich das alles noch nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Jóna keine Show macht. Schüchtern, chaotisch und nicht ganz von dieser Welt ist sie, mit ihren unterschiedlich großen Ohren und den Glücksbringern die ihr um den Hals baumeln, aber verrückt wirkt sie nicht. Ich lerne auch ihre Familie kennen, die Jónas „Macke“ nicht immer mit Humor nimmt, und auch die Verstorbenen stellt sie mir vor. Als ich gehe, hilft sie mir noch meine Energien freizusetzen und schenkt mir dazu zwei Steine. Außerdem Blumen, die die Elfen für mich ausgesucht haben, als wir draußen waren. Die soll ich heute nacht unter mein Kopfkissen legen. Gesagt, getan!






2 Kommentare:

  1. Klasse geschrieben und schoene Photos!!! Weiterhin spannede Begegnungen auf den Spuren der Elfen, wuenscht Na Dia

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    1. Danke Nadia! Ein Chaar-Kompliment weiß man im Hause Weber (oder im Auto) sehr zu schätzen! :) Liebe Grüße ans andere Ende der Welt!

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