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Dienstag, 17. Februar 2015

Altes Museum Ostwall





Der wissenschaftliche Teil meiner Bachelorarbeit liegt nun seit 3 Wochen meinen Professorinnen vor, sodass ich mich erneut der Praxis zuwenden kann. Das letzte Foto meines Buches hatte ich zwar schon letztes Jahr "im Kasten", aber damit ist das Projekt noch lange nicht beendet. Wenn man mehr als ein halbes Jahr lang intensiv an etwas arbeitet, ist die Versuchung sehr groß, das Buch und alles was damit zu tun hat nach Beendigung in eine Schublade zu stopfen und für die nächsten drei Jahre nicht mehr anzusehen. Mir geht es zumindest so, denn jedes Bild wurde mehr als 10 mal komplett neu bearbeitet und so manche Gestaltungsidee über den Haufen geworden. Die Fotos kann ich eigentlich schon nicht mehr sehen und wenn mich jemand freundlich fragt, wie es bei den Elfen läuft möchte ich am liebsten um mich schlagen. Mache ich natürlich nicht, da es ja wirklich nett gemeint ist, trotzdem freue ich mich schon auf neue Projekte und Themen die mit meiner Person in Verbindung gebracht werden können. Nun würde sich der Aufwand aber kaum lohnen, wenn ich meinem Bedürfnis nachginge und nach der Prüfung sämtliche Elfenspuren aus meinem Leben verbannen würde. Aus diesem Grund feile ich mit sechs lieben Kommilitonen zur Zeit fleißig an einer anschließenden Ausstellung. Ein riesengroßer Motivationsschub war hierfür die Zusage des alten Ostwall Museums, in dessen wunderbaren Räumen wir unsere Arbeiten präsentieren dürfen. Das ist natürlich eine große Ehre, und dementsprechend hoch sind auch unsere Ansprüche. Seit ein paar Tagen ist auch unsere Internetseite und unsere Facebookseite online. Besucht uns doch auf den jeweiligen Plattformen und am Besten auch ganz real im März/April bei der Ausstellung!

Vernissage: 27.03.15 / 19:00 Uhr
Altes Museum Ostwall
Ostwall 7, Dortmund

Eintritt frei

Auf den Bildern gibt es schon einen kleinen Einblick in die Räumlichkeiten. Um ein Gespür für die Größenverhältnisse zu vermitteln, habe ich den lieben Felix an strategisch klugen Stellen im Bild platziert.



Hier genießt Felix den Blick in den Lichthof und grübelt über die perfekte Position für den SEKT


 Hier zeigt Felix, wie groß ein DINA2 an der Wand wirken würde


Hier zeigt Felix, wie hervorragend die aktuellen Aussteller ihre Weißflächen ausgeleuchtet haben

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Heimkehr

 So abenteuerlich wie meine ganze Reise, gestaltete sich auch meine Heimkehr. Die vier Tage auf der Fähre habe ich gut hinter mich bringen können, was ich vor allem der Gesellschaft von Emma aus Kanada und Dario aus Italien zuschreibe. Da wir wegen des Sturmes einen Tag zu früh an Bord gingen, fühlte sich die Fährgesellschaft verpflichtet, uns an diesem Tag kostenfrei zu versorgen. So ergatterte ich ein Frühstück, dass ich mir sonst sicher nicht geleistet hätte. Als ein blondes Mädchen, das mindestens genauso zerzaust aussah wie ich, während dieses herrlichen Frühstücksbuffets neben mir begann, Schinken, Eier und Brote in ihre Tupperdose zu schieben und sich dabei verstohlen umblickte, meinen Blick auffing und schuldbewusst grinste, hatte ich eine angemessene Begleitung gefunden. Emma stellte mir dann noch Dario vor, der in ihrer Kabine schlief und wir drei wurden eine kleine Fährenfamilie. Dafür habe ich auch gerne die Moralpredigt eines (natürlich deutschen) Mitreisenden über mich ergehen lassen, der sich darüber entrüstete, dass Emma Essen vom Buffet gestohlen hatte. Die Tatsachen, dass er selbst so füllig war, dass er vermutlich trotzdem die dreifache Menge von unserer Portion verdrückt hatte und mich ansprechen musste, weil seine Englischkenntnisse einem Streit mit einer Kanadierin gewachsen waren machten es mir nicht möglich, ihn besonders ernst zu nehmen. Trotz unserer frühen Abfahrt, holten uns auf den Färöern dann einige Ausläufer des Sturmes ein, so dass wir mit einer zweistündigen Verspätung in Dänemark ankamen. Das war insofern problematisch, als dass mir zum Zeitpunkt unserer Ankunft nur noch eine halbe Stunde blieb, um meine Mitfahrgelegenheit pünktlich in Flensburg einzusammeln. Diverse Berechnungen von Dario ergaben, dass ich dazu mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 650 km/h hätte fahren müssen, also borgte er mir sein Handy (meine Sim-Karte befand sich ja nach wie vor tief im Bauch des Zafiras), sodass ich meiner Mama eine SMS schreiben konnte. Sie hatte nämlich die Kommunikation mit der netten Frau Gül für mich in die Wege geleitet und sollte sie über meine Verspätung informieren. Wäre es bei diesen zwei Stunden geblieben, hätte ich ganz entspannt nach Flensburg fahren können, und man hätte vielleicht sogar behaupten können, dass es sich gelohnt hatte ein sauberes, bzw. nicht-stinkendes Tshirt für die Rückfahrt aufzuheben. Dem war aber leider nicht so. Als kleines Abschiedsgeschenk hat Smyrilline mir noch einen großen Container vor mein Auto gestellt, sodass ich als allerletzte das Schiff verlassen habe, nämlich 1 ½ Stunden nach Ankunftszeit. Mit Lichtgeschwindigkeit bin ich dann nach Flensburg gedüst, aber ich war natürlich trotzdem weit davon entfernt pünktlich anzukommen. Völlig entnervt und verschwitzt kam ich dort an und begab mich auf die Suche nach einer 30 jährigen Frau, von der ich nur wusste, dass sie Sozialpädagogin ist und dass ihr die Abfahrtszeit angeblich ziemlich wumpe ist. Das mit der völligen Gleichgültigkeit der Abfahrtszeit, ja sogar dem Tag gegenüber hätte mich vielleicht schon im Vorfeld misstrauisch stimmen können (meine Mama hatte mir gesagt ich könne sie sowohl, Freitag, Samstag als auch Sonntag einsammeln, das sei ihr egal), aber irgendwie hatte ich andere Sorgen. Nervös ließ ich meinen Blick schweifen, und wer sitzt da am vereinbarten Treffpunkt? Mein Freund! Da habe ich dann gar nichts mehr verstanden und mich einfach nur gefreut. Meine Mama hat mich ganz schön ausgetrickst, mit ihrer Frau Gül und so konnte ich mich unverhofft auf 5 Stunden lang neben meinem Liebsten auf dem Beifahrersitz entspannen :) Das war die beste Überraschung, die ich je erlebt habe und Behnie nenne ich ab jetzt liebevoll meine Sozialpädagogin.

Ein kleines Kunstwerk von Toni um mich zu begrüßen. Die Blume in der Mitte ist eine Eisblume, wegen meines kalten Bades im Gletschersee :)

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Mitnehmen



1. Ein selbstgemaltes Bild von Thorunn, das für meine Zukunft steht. Als ich das Baby gesehen habe fielen mir die Worte von Harmundur ein: „Are you planning to get prägnant the next month? No? So you have to be very careful“. Aber Thorunn hat mir erklärt, dass es nicht für eine Schwangerschaft, sondern für einen Neuanfang steht. Wie auch immer der aussehen mag. // 2. Sagen aus Nordisland - als ich dieses Hörspiel an eine Tankstelle entdeckt habe, musste ich es einfach kaufen. Zum einen, weil ich hoffte, dass viele Elfengeschichten darin vorkommen, zum anderen weil mit diesem Mittel längere Autofahrten eigentlich immer am schnellsten umgehen. Interessant war es auf jeden Fall, aber nicht auf die Art und Weise die ich erwartet hatte. Gelesen wird es von einem Isländer, der manche deutsche Worte sehr isländisch ausspricht, was nicht gerade zum einfachen Verständnis beiträgt. Zumal die Geschichten von isländischen Städte und Rufnamen nur so gespickt sind, die teilweise wie ein Röcheln klingen und die ich nicht im mindesten unterscheiden kann. In einer Geschichte gibt es ein Mädchen das „Schnörlrlu“ heißt, die auf keinen Fall mit ihrer Schwester „Schnorellr“ verwechselt werden darf. Nun kommt noch dazu, dass sich die Dramaturgie dieser Geschichten von allem unterscheidet, dass ich bisher über Geschichtserzählung gelernt habe. Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Ende einer Geschichte bereits am Anfang vor weg genommen wird. Die Geschichten sind ziemlich blutrünstig und in den seltensten Fällen kann ich das Handeln der Protagonisten in irgendeiner Weise nachvollziehen. So habe ich manche Geschichten fünf mal gehört, bis ich begriffen habe wer das eigentlich wen brutal ermordet - die Motive sind mir allerdings immernoch unklar. Wenn ich wieder zuhause bin werde ich mir auf jeden Fall zeitgenössische isländische Literatur besorgen müssen, um herauszufinden, ob ich hier auf einen gravierenden kulturellen Unterschied gestoßen bin, oder einfach eine verrückte CD mit veralteten Sagen gekauft habe. // 3. Bitafiskur ist Trockenfisch, ein isländischer Snack an den ich mich in meiner Zeit dort nicht herangewagt habe. Also habe ich am letzten Tag noch schnell zugeschlagen um auch das austesten zu können. // 4. Der Bergkristall, den Jóna mir geschenkt hat. Um meine Energien freizusetzen und so weiter. // 5. Ganz am Anfang meiner Reise, als ich mit den isländischen Witterungen noch nicht so vertraut war habe ich leichtfertig mein Notizbuch auf dem Beifahrersitz gelegt und beide Türen geöffnet. So wurde es innerhalb weniger Sekunden ziemlich weit weggeweht und ich habe es nicht wiedergefunden. Also musste ein neues her. Im fancy Reykjavík darf man für sowas ziemlich viel Geld hinblättern, aber dafür gibt´s das ganze in rustikalem Natur-Design, welches bei Elfenfreunden durchweg gut ankam und mir viele Komplimente verschafft hat. // 6. Auf der Karte des verborgenen Volkes hat Erle Stefansdóttir, die als Star unter den Elfensehern gilt eingetragen, wo das Elfenvolk zu finden ist. Ihr gesundheitlicher Zustand hat es ihr leider nicht erlaubt, mich zu treffen, also musste ich mit diesem Stück Papier vorlieb nehmen. // 7. Wer macht einen 4-wöchigen Roadtrip, plant 4000 km zu fahren und nimmt nur zwei Musik-CD´s mit? Ja richtig, ich. Ein uraltes Album von The Cranberries, welches ich vor Ewigkeiten von unserer Nachbarin bekommen habe und die neue John Butler CD meines Bruders, die zufällig noch im Auto lag (an dieser Stelle ein Dankeschön für die unfreiwillige Leihgabe ;) Diese beiden CD´s konnte ich eigentlich schon nicht mehr hören, als ich in Dänemark ankam. Da es in dem isländischen Musikladen keine Möglichkeit gab, in die CD reinzuhören, kam es zu diesem Cover-Kauf. Die Töne sind ziemlich gewöhnungsbedürftig, und nach 3x hören bin ich wieder auf John Butler umgestiegen.

Dank meines italienischen Mitreisenden Dario bin ich jetzt aber doch noch an hörbare isländische Musik gelangt. Solange ich nicht versuchen muss Handlungssträngen in Geschichten zu folgen finde ich die Sprache ja wunderschön.

Dienstag, 30. September 2014

Abschied


Island lässt sich nicht lumpen und präsentiert mir am vorletzten Abend das Polarlicht
Dass das Wetter hier unberechenbar ist, habe ich ja bereits mehrfach erfahren dürfen. Nun beeinflusst es nicht nur meine Fotos, Stimmung, den Zustand meiner Kleidung und meine Möglichkeiten zu kochen, nein, es nimmt auch noch Einfluss auf meine Abreise. Da ich vor zwei Tage meine deutsche Sim-Karte im Innenleben der Mittelkonsole versenkt habe, bin ich nur noch über meine isländische Nummer erreichbar. Das führte dazu, dass Frau Gehrmann von der Smyrilline vermutlich am Rande eines Nervenzusammenbruchs war. Seit mehreren Tagen versuchte sie vergblich mich zu erreichen, bis sie auf die glorreiche Idee kam, mir eine Email zu schreiben. So habe ich GESTERN erfahren, dass HEUTE mittag meine Fähre fährt, und nicht wie geplant erst am Mittwochabend. Und das beste daran: Ich bin nicht einen Tag eher zuhause, nein, denn wir fahren einfach ein bisschen länger mit dem Schiff, weil mir das so viel Freude macht. Für morgen ist nämlich um Island herum ein heftiger Sturm angesagt, und der Kapitän wäre dann gerne bereits aus der Gefahrenzone, was auch ja im Grunde sehr vernünftig ist. Wirklich doof daran ist, dass ich morgen noch einen Fototermin mit einer Elfenfrau gehabt hätte, den ich nicht vorziehen konnte und der Tag den ich für den Abschied eingeplant hatte wegfällt. Ich freue mich auf zuhause, keine Frage, aber so unerwartet früher abzureisen ist doch merkwürdig. Als würde mir jemand den letzten Happen von einem leckeren Essern wegschnappen. Island war sehr lange ein Traum von mir, und ich bin froh, dass ich hier sein durfte. Der Abschied fällt mir schwer und am liebsten hätte ich jetzt schon den Termin für meine nächste Reise hierher in meinem Kalender stehen. Ich glaube ich bin ein bisschen verliebt. :) Ein letztes mal bin ich auf einen der Berge geklettert und habe die Aussicht genossen.






Sonntag, 28. September 2014

Eiszeit

Der Weg entlang der Ringstraße führte mich weiter in die Eiswelt Islands. Hier sind die Gletscher zuhause und es gibt wunderschöne Schneelandschaften und Eisbergseen zu bestaunen. Den Spaß gibt´s natürlich nicht umsonst, man muss schon einen Temperaturabfall in Kauf nehmen, aber es lohnt sich. Sehr viele Touristen tummeln sich am Jökursarlón, dem berühmtesten Gletschersee Islands, der direkt an der Ringstraße liegt und die Kulisse für eine Szene in einem James Bond Film darstellt. Da ich für meine Fotos ein bisschen Ruhe brauchte und nicht von jedem zweiten Passanten auf meine Pyrotechnik angesprochen werden wollte habe ich mir meinen eigenen Gletschersee gesucht. Eine 10 km Schotterpiste, die alles übertrifft was ich bis jetzt gefahren bin und die von einer Brücke unterbrochen wird, die der TÜV mit Sicherheit nicht abgenommen hätte führte mich zu Heinabergsjökull, einem etwas abseits gelegnen Gletscher mit See und Eisbergen. Dort war es so ruhig und abgeschieden, dass man das Eis schmelzen und in der Nacht wieder gefrieren hören konnte. Kein Witz. Hier kam dann meine Ausrüstung erstmals vollständig zum Einsatz, denn das Thermometer zeigte nur noch + 1 an. In der Nacht wurden daraus dann -3 und als ich morgens aufgewacht bin, hatte ich kleine Schneeblumen an den Fenstern. Ich glaube, der Moment als ich beschlossen habe im Geltschersee baden zu gehen war, als ich festgestellt habe, dass die dünne Eisschicht, die sich über Nacht gebildet hatte langsam verschwand. Wann hat man schon die Gelegenheit, einen Eisberg unter Wasser zu befühlen und mit einer Robbe zu schwimmen? Außerdem hatte ich ja auch die Nominierung meines lieben Gruppenkindes Annalena zur Icebucketchallange nicht eingelöst, sondern viel eher gekonnt ignoriert. Also, ab in´s kalte Wasser! Die Robbe war ganz zutraulich und hat mich ziemlich nah rausschwimmen lassen und Eisberge fühlen sich unter Wasser genauso an wie über Wasser. Außerdem haben sie unter der Oberfläche nicht mehr Masse als darüber, zumindest nicht die, die ich betastet habe. Insgesamt war ih aber auch nur fünf Minuten im Wasser, weil es einfach zu kalt war, deshalb reichte meine Zeit nicht für repräsentative Untersuchungen. Als ich wieder rauskam begegneten mir zwei Männer aus Köln, die kurzzeitig überlegt haben mich einweisen zu lassen. Ich konnte sie aber davon überzeugen, dass ich bis auf gelegentliche Anfälle von Wahnsinn, die mich dazu bringen in Gewässern zu schwimmen deren Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt liegt, kerngesund bin. 








Donnerstag, 25. September 2014

Sejavallalauga

Es gibt hier Orte, die so verrückt sind, dass ich mehret Stunden an ihnen verbringen kann und mir am Ende trotzdem nicht ganz sicher bin, ob es real war. Zum Glück hab ich ein paar Fotos gemacht. Nachdem ich eine Schotterpiste zurückgelegt habe, deren Anzahl an riesigen Löchern im Boden erst noch übertroffen werden muss und zwei Flüsse zu Fuß überquert habe (an dieser Stelle muss nochmal ein Lob an meinen Wanderschuhe ausgesprochen werden, wir führen eine innige Liebesbeziehung miteinander und dass sie Fußfetischisten sind habe zu akzeptieren gelernt) bin ich in Islands ältestem Schwimmbad angekommen. Mitten in den Bergen, eingerahmt von zahlreichen Bächen die vor sich hinplätschern, und so hoch dass man die Wolken berühren kann liegt ein uraltes Schwimmbecken. Und: das Wasser ist warm, dank der heißen Quelle die in das Becken fließt. So konnte ich in absoluter Einsamkeit meine Bahnen ziehen, und als das Wasser auch noch vom Himmel kam wurde es erst richtig gemütlich. Danke nochmal an Mario für die Empfehlung, es hat sich gelohnt!






Dienstag, 23. September 2014

Luftsprünge

Vor Freude könnte ich Radschläge machen, in die Luft springen und Purzelbäume machen. Endlich lasse ich Reykjavik hinter mir! Klar ist das eine interessante Stadt, aber die Natur und Einsamkeit sind doch um einiges reizvoller. Heute und gestern hatte ich noch zwei Begegnungen mit Elfensehern, die mich in der Stadt festgehalten haben. Die Gespräche waren reichlich abgedreht und vielleicht freut es mich auch aus diesem Grund so sehr, dass ich dieses Kapitel (vorerst) abschließen kann. Die beiden sind nämlich nicht nur in der Lage Elfen zu sehen und mit ihnen zu sprechen, sie sprechen auch mit Toten. Und zwar ständig. Als ich bei Thorunn eingetreten bin wurde nicht nur ich, sondern auch meine Urgroßmutter (mütterlicherseits) herzlich begrüßt. Da ich meine Urgroßmutter nicht kennengelernt habe kann ich weder beurteilen ob die Beschreibung auf sie zutrifft, noch weiß ich warum sie mit mir durch Island läuft. Anschließend wurde ich dem Hauselfen Olli vorgestellt, der sich laut Thorunn sehr für mich zu interessieren schien. Was immer das heißen mag. Gelobt wurde ich, als ich etwas aus dem Augenwinkel sah und hingeschaut habe „Oh toll, du hast es auch gesehen!“ - es war der Qualm ihrer Kerze. Harmundur, den ich gestern besucht habe verdient ziemlich viel Geld, indem er Leuten ihre Zukunft voraussagt. Offenbar bin ich die einzige, die jemals seine Wohnung betreten ohne erpicht darauf zu sein zu wissen, wie viele Kinder ich mal bekommen werde. Das hat ihn wiederum so sehr fasziniert, dass er es mir trotzdem gesagt hat. Kostenlos. Es sind vier. Meine verzweifelten Versuche das Thema wieder auf die Elfen zurück zu lenken scheiterten erbärmlich und nachdem ich den Fehler begangen hatte ihm mein Geburtsdatum zu verraten gab es kein Entkommen mehr. Er hat mir viele Dinge über mich selbst erzählt, die ich bereits wusste (an dieser Stelle frage ich mich, wieso es Leute gibt die dafür Geld bezahlen zu Dinge über ihren Charakter zu erfahren, die sie selbst am besten wissen müssten und woher er diese Dinge weiß…) Trotzdem ist es ziemlich spannend und ich bin auch ein bisschen gefesselt, denn dass er so viel über mich weiß fasziniert mich doch. Er bietet mir sogar einen Schlafplatz an, aber da er wirklich sehr viel redet und vor allem über mich, beschließe ich, dass es mir zu anstrengend ist die ganze Nacht etwas über meine Zukunft zu erfahren. Sollte es wahr sein, würde es schon früh genug passieren und ich würde es dann schon mitbekommen und wenn es reine Hirngespinste eines verrückten Mannes sind, wäre es reine Zeitverschwendung. Zehn Minuten später wechselt er aus heiterem Himmel das Thema und spricht über Moslems und zwar ziemlich rassistisch. Das Menschen sich rassistisch äußern erkennt man nämlich sehr leicht an dem Satzanfang „Ich bin nicht rassistisch, aber…“, den er gefühlte hundertmal verwendet hat. Plötzlich bin ich heilfroh, dass ich den Schlafplatz abgelehnt habe, denn mir wird klar, dass er nicht nur hellsichtig sondern auch ein Verschwörungstheoretiker ist. Bevor ich mich verabschiede schafft er es allerdings noch seine Sichtweise über die Rolle der Frau in der Gesellschaft loszuwerden. Gott sei dank, ich weiß jetzt an welcher Tür ich nie wieder klingeln werde!